Palmen? Ich muss im Süden sein

Palmen? Ich muss im Süden sein

Die Unterkunft in Sallin-de-Giraud war ein sehr angenehmes Bed and Breakfast. Auch wenn die Vermieter nur Französisch und ich bekanntermaßen kein Französisch gesprochen haben, hat die Verständigung doch wunderbar geklappt. Einmal mehr auf dieser Tour hat jedoch Petrus den Wetterbericht nicht gelesen. Vorhergesagt war heiter bis wolkig, Temperaturen knapp an die 30 Grad und absolut kein Regen. Als ich aber aus dem Fenster geschaut habe, war die Straße nass. Und so bin ich nach dem Frühstück bei noch leichtem Getröpfel los gefahren. Es galt ja, noch das Meer zu erreichen. Das Getröpfel sollte ich den ganzen Tag auch nicht mehr lost werden.

Was auf der Karte nur nach einem kurzen Abstecher ausgesehen hat, zog sich dann doch ganz schön hin. Aber schlussendlich stand ich am Strand von Port-Saint-Louis-du-Rhône. Stolz stand ich vor dem Schild, das verkündete, dass hier der Rhône-Radweg endet. Etwas enttäuscht war ich davon, dass der Strand von Wohnmobilisten in Beschlag genommen wurde und dass ich entlang der Küste nur Schwerindustrie und riesige Frachter gesehen habe. Aber mein Ziel ist ja auch nicht Port-Saint-Louis-du-Rhône, sonder Nizza. Also habe ich kehrt gemacht und bin wieder zurück bis auf Höhe Sallin-de-Giraud. Erst da konnte ich die nächste Möglichkeit Richtung Osten nehmen. Schlussendlich hat mich der kurze Abstecher ans Meer rund 30 Kilometer gekostet, aber das war’s mir Wert.

Aber ab jetzt habe ich sehr schnell gemerkt, dass ich keinem Radweg mehr folge. Denn diese gab es für den Rest des Tages keine mehr. Ebenfalls habe ich gelernt, dass die ganz kleinen, weißen Straßen auf der Karte nicht unbedingt vernünftig befahrbar sind, bestehen sie meist aus Schotter – was ja eigentlich nicht schlimm wäre. Nur ist die Qualität dieser Schotterwege so unterirdisch schlecht, dass ich nur im Schneckentempo vorwärts gekommen bin. Aber diesen Fehler habe ich noch ein paar Mal an diesem Tag gemacht.

Ich hatte ja schon vorm Strand aus die Schwerindustrie gesehen. Dumm war, dass ich jetzt genau an diesen Industriebetrieben vorbei, bzw. durch musste. Mein Glück war dabei, dass es Samstag war und somit so gut wie keine Lastwagen unterwegs waren. Eine Alternative gab’s dazu nicht – außer sehr weiträumig zu umfahren. Das gab aber die Tagesplanung nicht her. Ich war mit diesem Problem nicht allein, denn plötzlich kam mir eine Radlerin auf meiner Straßenseite entgegen. Sie war ohne GPS und nur mit Karte unterwegs und wollte eigentlich in die gleiche Richtung wie ich. Sie war verunsichert, weil es keine andere Möglichkeit gab, als auf die Nationalstraße zu fahren. Sie war der Meinung, dass das ein Highway wäre und man den ja mit dem Fahrrad nicht befahren könnte. Ich habe ihr dann gesagt, das es sich nur um eine Schnellstraße handelt und dass Highway in Europa Autobahnen sind. Die sind tatsächlich für Radfahrer gesperrt. Und so hat sie sich mir angeschlossen und gemeinsam sind wir über die Nationalstraße wieder Richtung Meer gefahren. Sowohl beim Auffahren, wie auch später beim Abfahren von der Nationalstraße hatten wir das Problem, dass es keine Auf- und Abfahrten in unsere Richtung gab. Also mussten wir erst in die falsche Richtung auffahren, fahren, bis der Fahrbahnteiler zu Ende war. Dann verbotswidrig auf die andere Straßenseite wechseln und in unsere eigentliche Richtung fahren. Beim Abfahren war genau das gleiche Problem. Erst knapp zwei Kilometer weiterfahren als wir mussten, verbotswidrig auf die andere Seite wechseln, um an unsere Abfahrt zu kommen.

Wie gesagt, zum Glück war Samstag und in dieser Ecke nicht all zu viel los. Kurz darauf waren wir dann in Fos-sur-Mer und meine Begleiterin verließ mich wieder. Sie war bereits am Ziel, während ich noch 40 Kilometer vor mir hatte. Am Ende von Fos-sur-Mer hatte ich wieder das Problem, dass ich mich für eine kleine, weiße Straße auf der Landkarte entschieden hatte und einmal mehr auf einer ganz üblen Schotterstrecke gelandet bin. Der Witz ist, dass die Nationalstraßen und auch die sonstigen großen Straßen zwar Verkehr ohne Ende haben, dafür i.d.R. aber über einen Randstreifen verfügen, auf dem man mit dem Fahrrad fahren kann. Also nur halb so schlimm, denn die kleinen Straßen haben diesen Randstreifen nicht und entsprechend rücksichtslos wird man als Radfahrer von den Autofahrern überholt.

Aber erstmal half mir das nichts, ich musste die Schotterstrecke bewältigen und bin in Port-de-Bouc wieder auf normale Fahrstraßen gestoßen. Flott ging es weiter nach Martigues. Ab hier habe ich gemerkt, dass die Côte d’Azur leider keine topfebene Küstenstraße ist, sondern dass es hier ganz gemein auf und ab ging. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit sank ins fast nicht mehr messbare, während ich auf kleinen und verwinkelten Straßen entlang der Küste schlich. Klar, wo es hoch geht, geht es auch irgendwann wieder runter, schließlich fuhr ich ja entlang der Küste. Aber leider sind die Abfahrten immer gleich zu Ende, während sich die Auffahrten ewig in die Länge ziehen. Trotzdem näherte ich mich über Sausset-les-Pins stetig meinem Tagesziel Carry-le-Rouet, das ich dann auch gegen 17:15 Uhr müde und abgekämpft erreicht habe.

Dafür fand ich am Abend ein ordentliches, italienisches Restaurant direkt am Hafen mit Blick über die ganzen Jachten. Das entschädigt dann für die Mühen des Tages.

<– Avignon – Sallin-de-Giraud                   –> Carry-le-Rouet – Bandol

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