Wenn ich mir für den heutigen Tag ein Motto überlegen müsste, dann wäre es wohl der Tag des Wassers. Das gab’s heute reichlich, links von mir war das Stettiner Haff, rechts von mir war die Ostsee. Aber über mir, da hat’s geschüttet, wie aus Kübeln und unter mir waren dann entsprechend die Pfützen.

Aber der Reihe nach. Etwas ungewohnt für Urlaub musste ich heute den Wecker stellen. Auf dem Weg nach Usedom gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder über Anklam oder ein paar Kilometer davor den Abzweig nach Kamp nehmen und dann mit der Fähre nach Karnin übersetzen. Spart ca. 35 Kilometer und bei einer Tagesetappe von sowieso schon knapp 100 KM hatte ich die Fähre fest eingeplant. Und dazu musste ich um 11:00 Uhr in Kamp sein. Also früh aufstehen, duschen, frühstücken und Rad packen. Nur, wie schon angekündigt, es hat geregnet. Also Regenklamotten an und rauf aufs Rad. Aus Ueckermünde raus ging es noch, aber danach wurde der Regen immer stärker. Dazu kam, dass der Radweg über weite Teile auf Waldwegen führte. Die sind bei trockener Witterung noch halbwegs gut zu fahren, aber bei Nässe war das eine Schlammschlacht. Trotzdem bin ich gut vorangekommen und war 30 Minuten vor 11:00 Uhr in Kamp am Fähre Hafen. Toll, keinerlei Möglichkeit, sich irgendwo unterzustellen. Also steht man da im strömenden Regen wie eine getunkte Maus und wartet darauf, dass es endlich losgeht.

Um Punkt 11:00 Uhr kam der Kapitän. Aber der hatte die Ruhe weg und hat erstmal 10 Minuten lang klar Schiff gemacht. Dann, endlich, rauf aufs Schiff und rüber auf die Insel Usedom. Die Überfahrt dauert nur ein paar Minuten, was die eingesparten Kilometer mehr als wettmacht.
Gegen 11:30 Uhr bin ich dann in Karnin los bei noch 65 Restkilometern. Aber leider ging es erstmal nur im Schneckentempo weiter, denn die Straße bestand auf den ersten Kilometern nur aus sehr grobem Kopfsteinpflaster. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass es heute den ganzen Tag geschüttet hat? Aber ist man erstmal nass, spielt es eh keine Rolle mehr. Bei Regen kannst du als Fahrradfahrer eigentlich machen, was du willst, du wirst in jedem Fall nass. Entweder du ziehst Regenklamotten an, dann bist du von außen trocken, wirst aber von innen nass. Oder du lässt es, dann wirst du halt gleich von außen nass. Tja, und so ging es munter weiter in Richtung Ostseebad Ahlbeck, dem Ende des Oder-Neiße-Radwegs. Dort bin ich dann eingeschwenkt auf den Ostseeküsten-Radweg, der mich erstmal entlang der Promenade von Ahlbeck geführt hat. Es ist unglaublich, wie viele Prunk-Villen und Nobel-Hotels hier stehen. Eines nobler und mondäner als das andere und das auf mehreren Kilometern Länge. Kaum raus aus Ahlbeck und Heringsdorf kam die „Zeltmeile“. Über viele Kilometer standen auf der linken Straßenseite Zelte, Wohnwagen, Wohnmobile und Camps, während auf der rechten Seite gleich der Ostseestrand liegt. Ich hätte nicht gedacht, dass es heute noch so viele Zelte gibt.
Aber dann wurde es richtig gemein. Die Ostseeküste ist an dieser Stelle oft eine Steilküste. Der Radweg wird sehr küstennah geführt, und so ging es ständig auf und ab. Das war aber noch nicht das Problem, der Radweg läuft hier als Waldweg entlang, was in Verbindung mit den Steigungen und dem starken Regen zu einer extrem mühsamen und vor allem schmutzigen Sache wurde. Da ich die letzten zwei Tage mit Magenproblemen zu kämpfen hatte, war ich konditionell ziemlich am Ende. Jedes Mal wenn ich dachte es geschafft zu haben, kam wieder eine Steigung von über 10%. Der aufgeweichte Waldboden tat sein Übriges.

Als ich schon geglaubt hatte, es nie mehr zu schaffen, kam endlich Zinnowitz in Sicht. Mangels Alternativen hatte ich hier im 5-Sterne Hotel Usedom Palace gebucht. Ihr könnt euch vorstellen, welchen Eindruck ich gemacht habe, als ich in meiner völlig verschmutzten Montur dort aufgetaucht bin. Der Rezeptionist hat aber tapfer weggeschaut und so konnte ich mein Zimmer beziehen. Als erstes habe ich mich ausgezogen und bin mit den ganzen Regenklamotten unter die Dusche. Nach 20 Minuten waren sowohl die Klamotten, als auch ich wieder sauber und repräsentativ. 

Zum Ausgleich habe ich mir dann im Restaurant das 6-Gänge Pfingst-Menü gegönnt. Inzwischen hängen überall im Zimmer alle möglichen und unmöglichen Dinge zum trockenen und ich freue mich auf eine ruhige und erholsame Nacht. Ich muss gestehen, dies war die bislang anstrengendste Etappe, die ich je gefahren bin. Daher wünsche ich jetzt euch allen eine gute Nacht.

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Kategorien: Radreisen

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