Diese Brücke über den Sabine Lake trennt Texas von Louisiana

Diese Brücke über den Sabine Lake trennt Texas von Louisiana

Zur Zeit schlauchen mich die Tage noch heftig, ich merke die Zwangspause der letzten Monate. So bin ich auch gestern sehr früh schlafen gegangen und heute Morgen erst gegen 07:00 Uhr aufgewacht. Da ich wusste, dass es lt. Wetterbericht zumindest teilweise ordentlich Gegenwind geben soll, habe ich nach dem duschen meine Siebensachen gepackt und bin los. Da der Rezeptionsbereich des Motels, in dem auch das Frühstück eingenommen werden kann, so wenig einladend wirkte, habe ich das ausgelassen und bin stattdessen in ein Restaurant einer auch bei uns gut bekannten Fastfood-Kette gegangen. Zumindest der Kaffee war hier spitze. So gestärkt ging es dann auf den Weg Richtung Cameron. Zuerst wieder endlos lang durch Groves und dann durch Port Arthur bis ich den Highway 82 erreichte, der für heute mein Begleiter sein sollte. Sofort sah ich was damit gemeint war, die meisten Höhenmeter macht man hier mit den Brücken über die Flüsse und Kanäle. Da ging es aber so richtig steil bergauf zur Überquerung des Intracostal Waterway. Natürlich freute ich mich auf die Abfahrt auf der anderen Seite, nur war die nicht hab so schwungvoll, wie ich gedacht habe. Zu stark war der Gegenwind.

Dieser Gegenwind hatte mich auf den nächsten Kilometern auch zweifeln lassen, die Etappe heute überhaupt zu schaffen. Ich war mehr wie einmal dran, wieder umzukehren und zurück nach Port Arthur zu fahren. Nur hätte mich das nicht wirklich weitergebracht. Eine Alternative zu dieser Strecke gab es nicht wirklich. Egal wie ich fahre, es wären immer mindestens rund 90 Kilometer bis zu einer Übernachtungsmöglichkeit gewesen. Also habe ich mich damit getröstet, dass nach etwa 12 Kilometer die Straße einen Bogen von Süd nach Ost macht und der Wind dann nicht mehr komplett von vorne kommen würde. Außerdem soll er, lt. Wetterbericht, im Tagesverlauf von Süd nach West und dann weiter nach Nord drehen. Meine Hoffenung war, dass die Westwindphase möglichst lange dauern würde und mich so Richtung Osten schieben würde.

Also kämpfte ich mich bis zum Sabine Lake, der von einer weiteren, riesigen Brücke überquert wurde und Texas von Louisiana trennte. Damit war ich also offiziell in den Südstaaten angekommen. Interessant war, dass ich in Texas keine Öl- und Gasindustrie gesehen habe, während hier plötzlich links und rechts der Straße riesige Gasgewinnungsfabriken standen. Jetzt war mir auch klar, warum auf der bisherigen Strecke ein so starker Schwerlastverkehr herrschte. Hinzu kam, dass mit dem dem Wechsel der Fahrtrichtung von Süd auf Ost der Wind tatsächlich deutlich angenehmer zu fahren war. So war ich nun wieder sehr optimistisch, die Etappe doch gut hinzubekommen. Natürlich zwang mich mein schmerzendes Hinterteil doch immer wieder zu kurzen Pausen, aber alles in allem kam ich recht gut voran.

Das blieb so bis ca. 20 Kilometer vor meinem Ziel. Urplötzlich änderte sich das Wetter. War es bis dahin sehr warm und es schien immer wieder die Sonne, kam plötzlich von hinten binnen Minuten eine Schlechtwetterfront angerauscht. Es reichte gerade noch, die Regenjacke und die gelbe Warnweste anzuziehen und schon kam der Regen. Gleichzeitig drehte der Wind jetzt auf Nord und war sehr stark und extrem böig. Hatte ich erst die Befürchtung, unter der Regenjacke viel zu sehr schwitzen zu müssen, hat sich das nicht bewahrheitet. Denn mit dem Regen fiel die Temperatur um 15 Grad. Plötzlich war es nur nach gut 10 Grad warm (oder kalt). Allerdings hielt sich der Regen in Grenzen, ich wurde nicht übermäßig nass. Die nächsten Kilometer waren auch noch ganz OK, aber etwa 10 Kilometer vor dem Ziel drehte die Fahrtrichtung auf Nord. Und ab jetzt war es die Hölle. Ich hatte noch nie gegen so starken Wind zu kämpfen. Teilweise war es nicht mehr fahrbar und ich habe das Rad samt Gepäck geschoben. Ich kam nur noch im Schneckentempo voran und es wurde später und später. Was war ich froh, heute Morgen so früh gestartet zu sein, und nun wenigstens Luft nach hinten zu haben. Etwa 15 Kilometer vor dem Ziel war eine Tafel die besagte, dass der Fährbetrieb Calcasieu Lake, er trennte mich von meinem Etappenziel Cameron, bei Blinklicht eingestellt wäre. Ich fragte mich doch recht besorgt, was ich eigentlich machen soll, wenn die Fähre nicht fahren würde.

Aber auch hier bewahrheitete sich, was ich schon zu Hause gelesen hatte. Wenn wir Europäer von Sturm sprechen, dann ist es für die Amerikaner nicht die Rede Wert. Nach einem heftigen Kampf Richtung Norden, teils fahrend, teils schiebend, kam ich an der Fähre an und konnte nach kurzer Wartezeit nach Cameron übersetzen. Da mit dem Verlassen der Fähre auch die Straße Richtung Süd-Ost drehte, war der Wind nun eine willkommene Unterstützung auf den letzten Metern. Es waren allerdings nur noch zwei Kilometer bis zum Ziel.

Schon auf dem Weg hatte ich mir überlegt, in Cameron einen Ruhetag einzulegen. Als mir die Dame an der Rezption dann gesagt hatte, dass auch für morgen noch Sturm angesagt wäre, war die Enscheidung sofort getroffen. Ich war und bin aber auch so platt, dass ich die Pause dringend zur Regeneration meiner Oberschenkel und meines Hinterteils benötige. Zum Glück ist direkt neben dem Motel ein Family-Dollar-Laden. Dessen Sortiment ist zwar eher bescheiden, aber es gab Toastbrot, etwas abgepackte Wurst, Kekse und Erdnüsse. Dazu eine Gallone Wasser, das war mein Abendessen heute. Den morgigen Tag werde ich nutzen um Wäsche zu waschen und mich zu erholen. Auch für übermorgen ist noch recht starker Gegenwind vorhergesagt, aber lange nicht mehr so schlimm, wie er aktuell tobt. Ihr glaubt gar nicht, wie glücklich man mit labberigem Toastbrot, undefinierbarer Wurst und stillem Wasser sein kann …

Gefahrene Wegstrecke: 89,3 km

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