Nach 1124 Kilometern endlich am Mittelmeer

Nach 1124 Kilometer endlich am Mittelmeer

In Avignon war es unheimlich schwül. Entsprechend hoch war die Luftfeuchtigkeit und ich hatte das Gefühl, dass alles feucht und klamm ist. Trotzdem fühlten sich meine Radklamotten morgens trocken an. Da ich lt. Navi “nur” 92 Kilometer vor mir hatte und ich auch erst ab 17:00 Uhr in dem B+B am Zielort einchecken kann, habe ich mich morgens nicht besonders beeilt. Gegen 10:00 Uhr saß ich dann auf dem Rad. Da ich wieder zurück über die Brücke über die Rhône musste, stand mir die gleiche stop-and-go-Baustellenfahrt bevor, wie beim Hinweg. Aber ausgeschlafen und frisch gestärkt vom Frühstück war die Strecke von immerhin knapp 7 Kilometern weitaus weniger anstrengend und nervig, wie beim Hinweg. 

Als ich nach den Rhône-Brücken von der Hauptstraße abgebogen bin, kamen mir dann doch recht schnell Zweifel ob meinen Fähigkeiten im Umgang mit Navigationssoftware. Habe ich doch gestern einige Zeit darauf verwandt, die geplante Route zu überprüfen, hat heute nicht all zu viel davon mit dem ausgeschilderten Rhône-Radweg überein gestimmt. Kurz entschlossen habe ich Navi Navi sein lassen und bin den Schildern gefolgt. 

Der Tag brachte wenig Spektakuläres auf der Strecke, verlief auch die meiste Zeit weit ab der Rhône, nur manchmal habe ich sie bei der Durchfahrt durch eine Stadt kurz gesehen. Meine geplante Route habe ich auch ein paar Mal wieder getroffen, aber nach ein paar Metern wich die Ausschilderung wieder von meiner ursprünglichen Planung ab. 

Als ich dann am Nachmittag in Arles war, der letzten größeren Stadt, habe ich festgestellt, dass ich zwar eine nette Route gefahren bin, allerdings rund 15 Kilometer länger gefahren bin, als ich ursprünglich geplant hatte. Also war es nichts mit meinen “nur” 92 Kilometern, wenn ich mich ab jetzt genau an meine Planung halte, dann werden es ca. 107 Kilometer Gesamtstrecke werden. Gesagt, getan. War die ersten Kilometer ziemlich nervig, denn die Route folgte einer doch recht ordentlich befahrenen Landstraße. Aber dann bin ich abgebogen auf eine kleinere Landstraße und mit jedem Kilometer wurde der Verkehr weniger. Auch wenn der Weg dadurch noch etwas weiter wurde, als der direkte Weg zum Ziel, hat es sich gelohnt. Führte die Strecke doch durch den Parc Naturel Régional de Camargue. Außerdem erreichte ich so schon mal einen kleinen Vorgeschmack des Mittelmeers. Der Étang de Vaccarès ist ein riesiger Salzsee mitten im Naturpark, an dessen Küste ich einige Zeit entlang gefahren bin.

So groß dieser See auch war, er machte mir ziemlich unmissverständlich klar, dass ich heute zu wenig Wasser dabei hatte. Es war sehr heiß den ganzen Tag und nur wenig Bäume und Schatten. Die letzten Einkaufsmöglichkeiten hatte ich verschlafen und so versuchte ich mit nur noch einem viertel Liter Wasser die letzten 20 Kilometer über die Runden zu kommen. Kaum zu glauben, wie lange sich diese Kilometer ziehen können. Mehrfach habe ich meine Umwege heute verflucht, denn ohne die wäre ich ja schon längst am Ziel gewesen. Als ich dann endlich meine Unterkunft erreicht habe, bin ich als erstes auf’s Zimmer und habe meine Wasserflasche zweimal am Wasserhahn gefüllt und leer getrunken. Erst danach habe ich mich um mein Gepäck und um das Fahrrad gekümmert.

Beim Studium der heute gefahrenen Strecke ist mir dann auch recht schnell klar geworden, woher die Mehrkilometer kommen. Ich bin gegenüber meiner ursprünglich geplanten Strecke schon einige gewaltige Bögen gefahren. Wenn ich das so sehe wundert es mich, dass es am Ende “nur” 15 Kilometer mehr waren. 

Morgen werde ich auf jeden Fall das “richtige” Mittelmeer erreichen und dann geht es immer weiter ostwärts, Nizza entgegen.

<– Ruhetag Avignon           –> Sallin-de-Giraud – Carry-le-Rouet

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