Irgendwie hat alles so seine Spuren hinterlassen. Die Hitze des (Vor-)Tages hat für Erschöpfung gesorgt – trotz sehr angenehmem Zimmer und Ambiente im Hotel. Die Sorge, ob und was am Fahrrad jetzt kaputt ist. Im Geschäft gab’s ein Problem, bei dem ich morgens nochmal ran musste. Ja, und so bin ich nicht so weg gekommen, wie ich eigentlich wollte, sondern mit fast 10:00 Uhr eigentlich sehr spät. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass mein Akku ziemlich am Ende ist, na toll – ausgerechnet heute habe ich ja die längste Etappe meiner Tour vor mir. Knapp 99 KM. Das kann ja was werden.

Aber wie das so ist, das ganze Jammern nutzt ja nichts, Linz lag hinter mir und irgendwo in der Ferne liegt Passau vor mir. Auf das dortige Altstadt-Hotel freue ich mich schon seit Wochen. Immer, wenn ich in diese Stadt komme, versuche ich dort ein Zimmer zu bekommen. Die Lage ist einfach genial, nur 100 oder 200 Meter vor dem Zusammenfluss von Donau und Inn. Dazu ein Restaurant vom Feinsten. Ich glaube, der Gedanke daran hat mir Kraft gegeben, und natürlich: ein Harald gibt nicht auf! (doofes Macho-Gehabe von früher :-)).

Dazu kam ein etwas spezieller Streckenverlauf. Aus Linz raus geht es leider nur entlang einer hässlichen, extrem stark befahrenen Bundesstraße. Da spult man man mal die ersten 15 KM ab. Der Kopf ist leer, bzw. gefüllt vom überaus lauten Brumm, Brumm, Brumm, der Auto’s und LKW’s, die an einem vorbei donnern. Dann endlich weg von der Bundesstaße und gleich rüber auf die andere Donauseite. Hier konnte sich meine Birne wieder etwas erholen. Denn auf dieser Seite und in diesem, sehr unzugänglichen Teil der Donau, war die Route einfach nur schön. Manchmal unspektakulär schön, manchmal auch landschaftlich richtig schön. Das ging so bis zur Schlögener Schlinge. An dieser Stelle entspricht der Donau-Verlauf einer Schlingenform, daher der Name.

Blöderweise hatte ich bei der Tourenplanung darauf geachtet, wo möglich, auf der Seite der Donau zu fahren, auf der ich noch nicht gefahren bin. Hat dann ab Schögen dazu geführt, dass ich, wieder mal, entlang einer Bundesstraße fahren musste. Und die ging nicht am Flussufer entlang, sondern ziemlich bergauf und bergab. Ihr erinngert euch: der Akku ist alle, Memory-Effekt oder so.

Na ja, wie auch immer, teilweise war ich doch erstaunt, was meine müden Knochen noch her gegeben haben. Irgendwann war auch dieser Abschnitt zu Ende und ich war wieder auf dem guten, alten Radweg direkt entlang der Donau – ohne nennenswerten Auto-Verkehr. Aber auch wenn alles in mir gehofft hatte, dass ich jetzt ja gleich in Passau sein werde – es ging noch 30 KM … Irgendwann kam die Grenze Österreich – Deutschland, die ich heute zum erstan Mal wirklich wahrgenommen habe. Und so langsam kam Passau tatsächlich näher. Allerdings, auch das wurde mir heute zum ersten Mal so richtig bewusst, auch auf diesem Abschnitt führt der Radweg entlang einer stark befahrenen Bundesstraße.

Richtig Sorge hat mir heute mein Rad gemacht. Das Knarren, Knarzen, Knacken oder was auch immer, ist so laut und vehemment, dass man mich schon viele Meter vorher hört und noch viele Meter danach. Das nervt tierisch, vor allem auch, weil ich nicht weiß, ob etwas kaputt ist, oder was auch immer die Ursache ist. Das Rad hat letztendlich durchgehalten und so habe ich, im Hotel angekommen, nochmal eine dringliche Mail an den Hersteller meines Fahrrads geschickt. Habe auch ein Video angehängt, das ich unterwegs mit den Geräuschen aufgenommen habe. Und ich konnte es nicht glauben, 5 Minuten, nachdem ich die Mail verschickt habe, klingelte mein Handy und der Hersteller war dran. Er hat mich erstmal beruhigt, dass nichts kaputt ist, sondern dass irgendwo im Bereich der Kurbeln oder dem Pinion-Getriebe sich die Schrauben gelöst haben. Viel davon verstanden habe ich ja nicht – ich bin ja nur ein einfacher Wirtschafts-Informatiker und kein Techniker, aber er hat mir versichert, dass auf keinen Fall etwas kaputt gehen kann, ich im Extremfall nur mit den nervigen Geräuschen leben muss. Verstanden habe ich zwar nicht viel, aber dafür habe ich alles brav mitgeschrieben. Und so werde ich morgen eine Fahrrad-Schmiede in Passau aufsuchen und hoffen, dass die diese üble Geräuschkulilsse beseitigen können. Auch wenn eine liebe Freundin, die hier mitliest, der Meinung ist, dass nicht nur beim Rad Schrauben locker sind – ich glaube, es liegt am Rad :-).

So, ich hoffe, dass mich diese doch recht guten Nachrichten nun heute Nacht ruhig schlafen lassen. Nötig hätte ich es – siehe Thema Akku vorstehend :-). Morgen wird nicht viel passieren, Radservice wie schon bechrieben, und ich glaube, ich muss Klamotten kaufen gehen. Bei der enormen Hitze versagt mein Abend-Frühstück-Ausgeh-Essengeh-SonstFürAllesDaSein-Outfit. Ich brauch ne kurze Hose und ein bequemes T-Shirt. Hoffentlich gibt es das in Passau in meiner Größe :-).

Wünsche euch eine gute Nacht

<– Etappe Ybbs – Linz                                  –> Ruhetag Passau

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Kategorien: Radreisen

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