Nach der gestrigen Euphorie holt mich so langsam die Gegenwart in Form meines zu Ende gehenden Urlaubs ein. Es sind ja nur noch zwei Etappen, dann bin ich wieder zu Hause. Eine kürzere mit nur 55 KM hatte ich heute vor mir. Allerdings war heute der Tag der Umleitungen. Nach einer eher unruhigen Nacht, mein Zimmer ging leider zur Hauptstraße raus und der Kirchturm war direkt gegenüber, habe ich es wieder etwas langsamer angehen lassen, da ich ja um die Kürze der Etappe wusste.

Allerdings musste ich dann doch schon bei der Ausfahrt aus Nesselwang hellwach sein. Eines haben die ganzen Orte auf diesem Radweg gemein: die Hauptstraßen führen mitten durch den Ort, auf den Straßen herrscht ein enormer Verkehr und es gibt keine Fahrradwege. Also musste ich über Serpentinen bergauf mit dem Auto- und LKW-Verkehr um die Straße kämpfen. Das dauerte zwar nur drei oder vier Kilometer, aber das hat auch gereicht.

Eigentlich hätte der Radweg nun kurz Richtung Grüntensee führen sollen und dann im Bogen weg davon nach Maria-Rain und von dort weiter über Guggenmoos nach Oy-Mittelberg. Aber dann war mal wieder die Ausschilderung des Radwegs eine andere, als meine GPS-Planung. Nach der Pleite gestern habe ich mich also heute für die Ausschilderung entschieden. Plötzlich war ich dann in Haslach am Grüntensee und es hieß Umleitung für den Bodensee-Königssee-Radweg. Da ich ja nicht wusste, was der Grund für die Umleitung ist, bin ich dem Schild brav gefolgt – leider. Denn damit sind mir die ganzen schönen, oben genannten, Orte einschließlich des Rottachsees entgangen und ich bin stattdessen nach Wertach geleitet worden. Von dort ging es entlang einer Landstraße bis nach Kranzegg, erst da bin ich wieder auf den ursprünglichen Radweg getroffen. Das hat zwar insgesamt ca. 5 KM eingespart, aber die Fahrt entlang der Landstraße war wenig schön und von viel Verkehr begleitet.

Weiter ging es dann durch Rettenberg und schon waren es nur noch wenige Kilometer bis nach Immenstadt im Allgäu. Plötzlich das gleiche Spiel, Hinweisschild, Radweg nach Immenstadt Umleitung über Untermaiselstein. Diesmal habe ich gedacht, die können mich gerne haben und bin einfach weitergefahren. Prompt bin ich in einer riesen Baustelle gelandet und hatte nur Glück, dass in Bayern Handwerkerferien sind, vielleicht auch nur Brückentag, weil morgen Mariä Himmelfahrt ist, und auf der Baustelle fast nichts los war. So konnte ich mein Rad teils schieben, teils fahren und habe die Baustelle so bezwungen. Von da an ging es dann sehr verwinkelt durch Rauhenzell, vorbei am Rauhenzeller See über die Iller und schon war ich in Immenstadt. Da eh gerade Mittagszeit war, habe ich mir in einer Metzgerei einen schönen Leberkäswecken geholt und dachte mir, entlang des Alpsees gibt es bestimmt irgendwo ein schönes Bänkchen im Schatten, da mache ich eine längere Pause. Weit gefehlt, entlang des Radwegs gab es keinerlei Möglichkeit, im Schatten zu pausieren. Irgendwann habe ich den LKW dann in der prallen Sonne gegessen und bin weitergefahren auf der Suche nach einem Schattenplatz.

Dazu bin ich tatsächlich erst gut acht Kilometer vor Oberstaufen fündig geworden. War mir aber egal, habe fast eine Stunde lang den Schatten und die vorbeiziehenden Radfahrer genossen. Eines ist schon auffallend, gefühlt fahren zwischenzeitlich 80% mit dem E-Bike. Diesen Eindruck habe ich schon seit meiner Abfahrt in Wien vor zwei Wochen. Kein Wunder, dass die die ganzen Steigungen – und davon gibt es auf diesen Abschnitten eine Menge – mit enormer Geschwindigkeit nehmen und dann bergauf auch noch lässig einhändig unterwegs sind, nie schwitzen und immer fröhlich pfeifen. Das ganze natürlich bei max. 50 Kurbelumdrehungen. Bitte nicht weitererzählen, dass ich bis letztes Jahr diese Touren auch noch mit dem E-Bike unternommen habe und dies erst die dritte Radreise ohne Elektroantrieb ist, aber ich habe mich natürlich immer angestrengt, bin ohne Motor gefahren und habe geschwitzt :-).

Na jedenfalls waren nach dem ausgiebigen Päuschen im Schatten die restlichen Kilometer bis Oberstaufen schnell zurückgelegt. Und so werde ich heute meinen letzten Abend unterwegs genießen. Morgen geht es auf die Schlussetappe nach Friedrichshafen, dann ist diese Radreise schon wieder zu Ende – leider!

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Kategorien: Radreisen

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