Hurricane Michael fegte im Oktober 2018 über Mexico Beach hinweg

Hurricane Michael fegte im Oktober 2018 über Mexico Beach hinweg

Heute weiß ich, ehrlich gesagt, gar nicht so richtig was ich schreiben soll. Ob ich überhaupt was schreiben soll. Keine Sorge, mir ist nichts passiert, aber der Gegend, durch die ich heute gefahren bin, vor rund vier Monaten. Die Fakten sind schnell erzählt, Wetter war den ganzen Tag stark bewölkt aber trocken mit Temperaturen um die 18 bis 20 Grad. Kurz nach meiner Abfahrt in Panama City Beach bin ich auf den Hwy 98 gestoßen und dem auch den ganzen Tag gefolgt. Schon von Anfang an hielt sich der Spaß in Grenzen, denn es herrschte unheimlich viel Verkehr und es fehlte auf den ersten 30 Kilometern an Seitenstreifen. Wo es ging bin ich auf den Gehweg ausgewichen, sonst musste ich halt Verkehrshindernis spielen. Das scheine ich auch gut hinbekommen zu haben, denn so oft angehupt wie heute, wurde ich noch nie.

Recht bald fiel mir auf, dass überall extreme Abbruchstimmung herrschte, aber zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nicht richtig geschaltet. Ich dachte, was ist das denn für eine üble Ghetto-Gegend, in der alles abgerissen wird, ohne dass neues zu entstehen scheint. Meine Gedanken gingen erst langsam in die richtige Richtung, als ich die East Bay über eine, wie so häufig, ellenlange Brücke überquert hatte und es entlang der Tyndall Air Force Base ging. Mir fiel auf, dass praktisch alle Bäume wie Streichhölzer abgeknickt waren und auch die Gebäude, die ich von der Air Force Base sehen konnte, nicht wirklich intakt aussahen. Jetzt erst schnallte ich, dass ich gerade durch Hurricane-Gebiet fuhr. Alle Welt redet immer von Hurricane Katrina und um New Orlenas herum war das auch absolut Thema mit fast jedem, mit dem ich gesprochen hatte. Hier aber hat vor gerade mal vier Monaten Hurricane Michael gewütet. Nachdem was ich im Internet gefunden habe, muss er die Air Force Base zentral getroffen haben. Zumindest war auf der ganzen Base keinerlei Militär-Betrieb, sondern nur Aufräum- und Bauarbeiten. Getroffen wurde wohl der gesamte Panhandle, das ist der gesamte nordwestliche Zipfel von Florida, auf dem ich gerade und auch die nächsten Tage unterwegs bin.

Das schlimme ist, dass so ein Hurricane, im Gegensatz zu einem Tornado, eine riesen große Schneise der Verwüstung hinterlässt. Ich hatte heute 80 Kilometer zu fahren, nach ca. 15 Kilometer gingen die Verwüstungen los. Und auch an meinem Zielort, Port St. Louis, sind die Zerstörungen noch sichtbar. Ganz verheerend war es in Mexico Beach, einem Ort ziemlich genau zwischen der Air Force Base und Port St. Joe. Dort habe ich kein einziges Gebäude ohne Schäden gesehen. Im Gegenteil, es gibt dort unzählige Fundamente, wo nur noch die Beton-Platte zu sehen ist und sonst nichts mehr. Der gesamte Ort ist eine einzige Großbaustelle.

Ich muss sagen, ich habe noch nie eine solche Zerstörung gesehen. Das ganze ist unfassbar und deprimierend. Inzwischen ist mir auch klar, warum es in diesem Abschnitt so schwierig war, eine Unterkunft zu finden, die meisten Motels wurden einfach vom Hurricane weggefegt. Port St. Joe wurde offensichtlich nicht ganz so schlimm getroffen, denn hier sind die sichtbaren Schäden deutlich geringer ausgefallen. Aber auch hier habe ich nur in einem stabil gebauten Hotel ein Zimmer gefunden, die Motels sind alle geschlossen. Ach ja, und so ganz nebenbei bin ich auch noch in eine andere Zeitzone gefahren, jetzt bin ich der deutschen Zeit nur noch sechs Stunden hinterher.

Ich bin gespannt, ob es morgen mit der Zerstörung weitergeht oder ob der kommende Küstenabschnitt verschont blieb.

<– Destin – Panama City Beach                                 –> Port St. Joe – Carrabelle

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1 Kommentar

Lissi · 02.03.19 um 14:21

Wow..puuuh. Das ist bestimmt eine heftige Erfahrung. Im Angesicht der unkontrollierbaren Kräfte der Natur werde ich immer ganz demütig. Für mich eine heilsame Form von Bewusstwerdung….

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