Von Malay nach Lyon

Von Malay nach Lyon

Boah, was für ein Tag. Geschlafen habe ich nach der gestrigen Etappe richtig gut. Das Frühstück war dafür wie immer eine Enttäuschung, zwar war Wurst und Käse im Überfluss vorhanden, dafür aber kein Brot und keine Milch. Egal, es gab trotzdem genug, um einiges an Kalorien aufzunehmen. Schnell zusammenpacken und bezahlen, um pünktlich gegen 09:00 Uhr los zu kommen.

Aber wie hatte ich mich in der Strecke heute getäuscht. Ich dachte, die ersten 40 – 50 KM werden wohl so lala sein, und dann läufts am Radweg an der Saône entlang dafür wie geschmiert. Leider war genau das Gegenteil der Fall. Ein paar Kilometer nach Malay bin ich wieder auf den Bahntrassenradweg gestoßen, der von Chalon-sur-Saône nach Macon führt und dem ich gestern auch schon viele Kilometer gefolgt bin. Ich wusste, dass der Weg auf den ersten 30 KM stetig ansteigt und dann muss es über eine Art kleiner Pass gehen. Auf der Karte war allerdings so etwas wie ein Tunnel eingezeichnet. Entsprechend war ich gespannt, was da auch mich zukommt. 

Bis Cluny war die Steigung nur leicht und ich bin flott voran gekommen. Dann kamen ca. fünf Kilometer bis zum Tunnel du Bois Clair, die es in sich hatten. Immer wieder ging es extrem steil bergauf und gleich danach gleich steil wieder bergab. Aber es hat sich gelohnt, denn dann geht es in einem 1,6 Kilometer langen Tunnel fast eben durch den Berg. Der Tunnel ist perfekt für den Radverkehr ausgebaut, gut beleuchtet und gilt als die Attraktion dieser Verbindung von Chalon-sur-Saône nach Macon. Aber nicht nur das, nach dem Tunnel ging es über viele Kilometer leicht bergab, so dass ich richtig flott voran gekommen bin und schon von einer Rekord-Ankunftszeit in Lyon geträumt habe. Trotz der Bergauf-Passage vor dem Tunnel hatte ich gegen 12:00 Uhr schon 50 Kilometer hinter mich gebracht. 

Dann ging es über die Saône und gleich danach auf den Radweg entlang der Saône Richtung Süden. Welch eine Ernüchterung. Der Weg war nicht nur nicht geteert, es war ein Pfad in übelstem Zustand. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit sank auf gerade mal 7 – 8 Kilometer. So würde ich Lyon heute nie mehr erreicht. Also, was tun? Das Smartphone zu Rate gezogen und recht schnell herausgefunden, dass der gesamte Weg an der Saône entlang, bis kurz vor Lyon in diesem Zustand ist. Es gibt wohl Alternativen auf wenig befahrenen Nebenstraßen, aber habe ich so auf die Schnelle nicht gefunden. Also blieb mir nur, bei der nächsten Möglichkeit den “Radweg” zu verlassen, über die Brücke auf die andere Seite der Saône zu wechseln und dort der ehemaligen N6 Richtung Süden zu folgen. 

Schön ist anders, der Verkehr dort ist teilweise die Hölle und die Franzosen neigen dazu, im Abstand von nur wenigen Zentimetern an einem vorbei zu donnern. Aber es half nichts, so oft ich die Karten zu Rate zog, es gab einfach keine gute und schnelle Alternative. So habe ich heute so viele Abgase und Staub geschluckt, wie noch nie auf dieser Tour. Aber es ging wenigstens wieder flott vorwärts. Knapp 20 Kilometer vor Lyon führte dann auch meine ursprünglich geplante Route auf fahrbaren Wegen entlang und so ging es dann nach Lyon hinein. Der Verkehr in der Stadt ist unbeschreiblich, ich kann immer noch nicht glauben, dass ich da heil durchgekommen bin. Aber irgendwann wurden die Restkilometer auf dem GPS immer weniger, dafür ging es wieder ordentlich den Berg hinauf – sehr zum Leid meiner geplagten Beine. Als ich dann am Ziel angekommen bin, hatte ich schnell Zweifel, ob das das richtige Hotel ist. Meine ursprüngliche Wahl hatte mir vor einiger Zeit geschrieben, dass sie keine Möglichkeit für die Unterstellung eines Fahrrads haben. Kurzerhand habe ich das Hotel storniert und ein anderes dafür gebucht. Nur leider habe ich die schon fertige GPS-Route nicht abgeändert. Und so stand ich dann müde und abgekämpft vor dem falschen Hotel. 

Hilft ja nichts, die Adresse des anderen Hotels ins Navi eingegeben und dann nochmals knapp vier Kilometer durch die Stadt geradelt. Dann endlich, nach 127 geradelten Kilometern stand ich vor dem richtigen Hotel. 

Inzwischen steht das Rad gesichert in der Tiefgarage des Hotels und ich habe nach einer ausgiebigen Dusche in einem guten Restaurant in der Nähe hervorragend zu Abend gegessen. Jetzt bin ich hundemüde und freue mich auf einen Stadtrundgang morgen in Lyon. Aber ein bisschen stolz bin ich schon auf mich. 108 und 127 Kilometer an zwei Tagen hintereinander, dazu noch einige Höhenmeter, das ist Premiere ohne Elektroantrieb.

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