Unerwartet hügelig in Floridas Mitte

Unerwartet hügelig in Floridas Mitte

Da es auch im Motel in Crystal River kein Frühstück gab, bin ich früher als sonst weggekommen. Allerdings hatte ich keine besondere Eile, da ja nur 65 Kilometer vor mir lagen. 12 Kilometer weiter liegt Homosassa Springs mit dem gleichnamigen Nationalpark. Hier habe ich mir erstmal in aller Ruhe ein Frühstück gegönnt. Nur kurze Zeit später habe ich an einer Tankstelle meine Wasservorräte aufgefüllt und dabei in einer Gefriertruhe ein Eis entdeckt. Dem konnte ich ebenfalls nicht widerstehen. Da aber in den USA schon die Kühlschränke mit -1 Grad laufen, gelten für die Gefriertruhen mindestens -40 Grad, so mein subjektiver Eindruck. Jedenfalls hatte ich mit dem Eis ganz schön zu kämpfen, bis es essbare Konsistenz hatte.

Kurz darauf zweigt der Highway 98 nach links ab. Beinahe hätte ich einen folgenschweren Fehler begangen, denn an der nächsten Kreuzung mit dem Highway 589 ging ein schöner Radweg los. Dem wollte ich natürlich folgen, habe aber zum Glück im letzten Moment bemerkt, dass der gar nicht meiner 98 folgt, sondern der 589 und die führt direkt nach Tampa. Da wollte ich auf gar keinen Fall hin. Also ging es weiter direkt entlang des Highway 98. Auffallend war, dass es ab jetzt sehr hügelig war. Keine großen Berge, aber es ging ständig und durchaus ermüdend auf und ab. Durch den Gegenwind kam beim “ab” nämlich auch nicht so viel Freude auf wie sonst, denn das Tempo war recht verhalten. Die Ortsdurchfahrt von Brooksville war dann richtig anstrengend, denn hier ging es kräftig den Berg hoch. Die Route führte mich nun noch knapp 20 Kilometer aus dem Ort hinaus zur Kreuzung mit der Interstate 75, denn nur hier konnte ich eine Unterkunft finden.

Um zu einem Restaurant zu kommen, musste ich mal wieder zu Fuß neben dem Highway unter der Interstate durch. Ich bin es ja schon gewohnt, dass in den einfacheren Restaurants immer mindestens drei bis vier Fernseher vor sich hin laufen. In der Regel ist bei der Hälfte der Ton aus und die andere Hälfte quäkt vor sich hin. Aber in dieser Kneipe hingen mindestens 20 oder mehr Fernseher und in jedem lief ein anderes Programm. Zum Glück war der Ton aus, denn es war so schon laut genug.

Am nächsten Morgen ging es weiter auf eine vermeintlich leichte Etappe über 68 Kilometer nach Lakeland. Allerdings zeigte sich schnell, dass das eine der härtesten Routen werden würde. Denn zum einen ging es wieder ständig auf und ab, natürlich bei kräftigem Gegenwind. Was aber heute viel schlimmer war, das war der Verkehr. Der Highway hatte nur eine Fahrspur in jede Richtung und einen ca. 50 Zentimeter breiten Seitenstreifen. Da sehr starker Verkehr in beiden Richtungen herrschte, brauste ein Auto/LKW am anderen an mir vorbei, meist nur mit wenigen Zentimetern Abstand. Das hat mich echt fertig gemacht und als endlich Lakeland in Sicht kam war ich fast soweit, das ganze hinzuwerfen und keinen Meter mehr weiter auf Amerikas Straßen zu fahren.

Das Motel in Lakeland hatte ich für zwei Nächte gebucht. Es war jedoch in einem so üblen Zustand, dass ich nach einer Nacht geflüchtet bin. Da ich nicht genau wusste, wie ich weitermachen soll, habe ich mir nur 5 Kilometer entfernt ein anderes Motel gesucht und dieses bis Mittwoch gebucht. Kein Vergleich zu dem sog. “Best Motel”, in dem ich vorher war. Zwar liegt es direkt an der Kreuzung von Highway 97 mit Interstate 4, aber da es hier sowieso 30 Grad warm ist, läuft die Klimaanlage die ganze Zeit und dann ist vom Straßenlärm so gut wie nichts zu hören. Hier habe ich sogar eine kleine Terrasse auf der ich früh am Morgen oder später am Abend dem ganzen Trubel zuschauen kann. Inzwischen habe ich mich vom Stress des vergangenen Samstag auch soweit erholt, dass ich die nächsten Planungen in Angriff genommen habe. Etwas kurios hat mich erwischt, dass es in den USA auch die Sommerzeit gibt. Die gilt hier aber nicht ab Ende März, sondern ab dem 10. März. Ich war erst recht verwirrt, dass die Uhren, die sich über GPS updaten, plötzlich eine andere Zeit anzeigten als die, die manuell umgestellt werden müssen. Somit bin ich momentan “nur” noch fünf Stunden hinter der deutschen Zeit.

Schon seit einigen Tagen ist mir klar, dass ich das ursprüngliche Ziel bis Key West und zurück nach Orlando mit dem Fahrrad nicht mehr erreichen kann. Dafür bin ich die ganze Zeit über zu langsam vorwärts gekommen und auch die immer wieder eingelegten Pausen über mehr als einen Tag fehlen mir nun an Zeit. Im Moment gebe ich mir ja auch gerade wieder drei Tage Nichtstun, genieße die aber sehr. Der Plan ist nun, in neun Tagen plus einem Pausentag dazwischen bis nach Key West zu fahren. Dort ebenfalls noch einen Tag Pause einzulegen und dann mit einem Mietwagen von Key West nach Orlando zu fahren. Das sind ca. 620 Kilometer und sollte in einem Tag zu schaffen sein. Ich wäre dann auch zwei Tage früher in Orlando als ursprünglich geplant. Zum einen habe ich diese beiden Tage Luft, falls etwas dazwischen kommt. Falls nicht ergibt sich hoffentlich die Möglichkeit, den einen oder anderen Themenpark in Orlando noch zu besuchen.

Jetzt genieße ich erstmal noch die Zeit in Lakeland, denn dieses Motel hat nicht nur eine recht ordentliche Ausstattung, es gibt hier auch einige gute Restaurants in Fußreichweite. Ein Luxus, den ich inzwischen sehr zu schätzen weiß.

<– Perry – Old Town – Crystal River                    –> Lakeland – Sun City

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