Blick auf Mittenwald im Herbst

Ich kann es noch gar nicht glauben, denn auch bei mir hat Corona erstmal alle meine Pläne für dieses Jahr zunichte gemacht. Während meiner üblichen Urlaubszeiten Mai/Juni war alles dicht und es ging gar nichts. Aber ich habe noch einige Tage Urlaub übrig und so habe ich mir für gut 14 Tage eine, hoffentlich, schöne und weitgehend gemütliche Radtour im Süden Deutschlands zusammengestellt. Der Startpunkt soll in Mittenwald sein, das ich mit dem Flixbus ansteuern werde. Von dort geht es der Isar entlang über München, Landshut bis nach Deggendorf. Ab Deggendorf folge ich der Donau flussaufwärts bis nach Ulm. Dort nehme ich den Abzweig nach Süden und folge der Iller über Memmingen bis nach Immenstadt im Allgäu. Und von dort geht es entlang des Bodensee-Königssee-Radweg durch das Allgäu über Oberstaufen bis nach Lindau am Bodensee und weiter wieder nach Hause. 

Die Länge der geplanten Strecke beträgt etwa 850 Kilometer und geht erstmal 4 Tage lang bis Deggendorf zum Eingewöhnen nur bergab. Für die Anreise nach Mittenwald habe ich mich wieder einmal für den Bus entschieden, weil ich damit, im Gegensatz zur Deutschen Bahn, noch keine Probleme mit der Fahrradmitnahme hatte.

Nachfolgend die geplante Route:

Ich werde die ganze Tour wieder in einem Blog-Beitrag schreiben, weil die Menüeinträge schon langsam überquellen.

Soweit also zur Vorankündigung. Los geht’s, wenn nichts mehr dazwischen kommt, am 18.09.

 

18.09.2020 – Anreise nach Mittenwald

Busbahnhof Friedrichshafen, warten auf den Flixbus nach München

Busbahnhof Friedrichshafen, warten auf den Flixbus nach München

Los ging es am Freitag Morgen bei bestem Wetter. Die Fernbus-Haltestelle wurde kurzerhand vom Stadtbahnhof Friedrichshafen an den Hafenbahnhof und dort an den Busbahnhof verlegt. Nur leider hatte der Bus, der von Zürich kam, ordentlich Verspätung, so dass es in Friedrichshafen über einer Stunde später als geplant erst los ging. Weiter fuhr der Bus nicht auf der B31 entlang, da der Tunnel bei Eriskirch wegen Instandhaltungsarbeiten gesperrt war. So gurkten wir über Tettnang und das Hinterland bis zur Autobahnauffahrt bei Wangen. Mit dieser Verspätung war klar, dass ich in München mit einem Regionalzug nach Mittenwald keinen Zeitvorteil vor dem Anschlussbus haben würde. Somit war nach der Ankunft in München erstmal zwei Stunden warten angesagt.

Erstaunt war ich, wie voll die Busse waren. Halbe Belegung wegen Corona oder ähnliches hat keinen interessiert. Beide Busse waren fast voll und so waren im Umkreis von 1,5 Metern mindestens 6 Personen versammelt. Aber wir trugen ja alle Masken :-). 

Immerhin kam der Bus fast pünktlich um 17:45 Uhr in Mittenwald an. Kurz orientiert, wo ich bin und dann ging es nur wenige Kilometer bis zum Hotel. Das war in Ordnung, vor allem das Personal war äußerst freundlich und zuvorkommend. Dies galt auch für das Restaurant in dem ich ein leckeres Abendessen genießen konnte. Obwohl der Tag fast nur aus warten und sitzen bestand, war ich ordentlich müde und bin daher früh schlafen gegangen.

 

19.09.2020 – Mittenwald – Bad Tölz

Gebirgswelt um Mittenwald

Gebirgswelt um Mittenwald

Das Frühstück im Hotel war ebenfalls okay, es gab ein Buffet, aus dem man aussuchen konnte und das einem dann auf den Teller gelegt wurde. Da die ersten Etappen nur zwischen 60 – 70 Kilometer lang waren, habe ich mir morgens Zeit gelassen und bin erst so gegen 09:30 Uhr weg gekommen. Das Wetter hat es auch heute sehr gut gemeint und so ging es bei bestem Sonnenschein, natürlich noch mit etwas verhaltenen Temperaturen, einmal durch Mittenwald bis zur Isar und dann am Fluss entlang. Die Strecke verläuft zwar überwiegend bergab, da der Weg aber nicht direkt dem Fluss folgen kann, kam es immer wieder zu kurzen, teils heftigen Anstiegen. Die parallel verlaufende Bundesstraße war stets gut zu hören.

Ab Wallgau ging es auf einer für Fahrräder freien Mautstraße durch das Naturschutzgebiet Karwendel auf der einen und Isar und Ochsensitzer Berg auf der anderen Seite bis nach Vorderriß. Nun folgten einige Kilometer direkt auf der Bundesstraße 307, die sehr stark von Motorrädern und Wohnmobilen befahren war. Das ganze ging so bis zum Sylvensteinstausee. Hier quert eine Brücke den Stausee und es ging weiter bis zur Kreuzung mit der Deutschen Alpenstraße B13; 

An der Stelle gibt es einen Parkplatz hoch über dem Stausee mit sensationeller Aussicht. Das ganze ist auch ein Biker-Treff, denn die Reihe der Motorräder war schier endlos. Im weiteren Verlauf gab es erstmal wieder einen eigenen Radweg, der zuerst durch einen Tunnel und dann steil bergab durch den Wald zur Isar führte und danach weiter mal links, mal rechts parallel zur B13 verlief. So ging es durch Lenggries bis nach Obergries. Nun folgten noch gut 10 Kilometer auf meist schön befahrbaren Schotterwegen bis Bad Tölz. Hier kreuzt der Bodensee-Königssee-Radweg, den ich 2017 gefahren bin, im rechten Winkel den Isar-Radweg. Ich musste ihm ein kurzes Stück bergauf folgen, denn er bachte mich zu meinem heutigen Hotel. Das Hotel ist schon etwas in die Jahre gekommen und äußerst “rustikal”. Dafür hat sich die Küche des zugehörigen Restaurants auf Burger und Ribs spezialisiert und das durchaus gelungen. Um die bayerische Tradition jedoch nicht ganz außen vor zu lassen, unterhielt zum Abendessen ein Alleinunterhalter auf der steirischen Quetschen die Gäste – für die einen zur Freude, für die anderen zur Qual. Fazit des heutigen Tages: ein schöner Einstieg in die Tour und mit rund 65 Kilometern nicht zu anstrengend zum einrollen nach der langen Radabstinenz. So kann es weitergehen.

 

20.09.2020 – Bad Tölz – Unterföhring

Nach einem ordentlichen “Ochsa-Burger Spezial mit extra Speck und Käse” war die nötige Bettschwere gestern Abend schnell erreicht und ich bin wieder früh schlafen gegangen. Das Frühstück am heutigen Morgen gab es, wegen Corona, á la Carte. Ich bin dann wieder so gegen 09:30 Uhr losgekommen, die ersten Kilometer schön entspannt entlang der Isar. Allerdings ging es nach 3 – 4 Kilometer links ab der Isar und schön den Berg hoch. Immer wenn ich dachte, ich bin oben, kam der nächste Hügel. Das war allerdings gar nichts gegen die Schotter-Einlage, die dann begann. Die war zu Beginn schon gekennzeichnet mit einem Schild, dass man sein Rad wegen Straßenschäden doch besser schieben solle. Mir blieb auch gar nichts anderes übrig, denn für mein Rad mit dem kompletten Gepäck war die Strecke zum einen in zu schlechtem Zustand und zum anderen hat die Kondition des Radlers zum treten einfach nicht ausgereicht. Entsprechend langsam kam ich voran und hatte bis Mittag erst gut 20 Kilometer geschafft.

Dann aber war die schlechte Strecke überwunden und es ging vorbei an Geretsried und Wolfratshausen und weiter äußerst schwungvoll entlang des Isar-Kanals. Hier lief es gut und flott bis kurz vor Grünwald. Allerdings hat es das Studium der Radwanderkarte schon erahnen lassen, hier ging es in den Wald und erneut auf sandigen Wegen steil bergauf. Da sich meine Kondition vom morgens bis nachmittags nicht nachhaltig verbessert hatte, war natürlich wieder schieben angesagt. Als ich endlich oben war, belohnte der Ausblick über das Isartal für die Strapazen und ich wusste, für heute was es der letzte Anstieg des Tages – zumindest fast.

Weiter ging es durch Grünwald und in Richtung München. Da ich die Abfahrt zum Uferweg der Isar verpasst hatte, fuhr ich immer oben entlang des Steilufer. Erst als das nicht mehr weiter ging, habe ich das Rad über einen extrem steilen Fußweg zum Ufer runter geschoben und war nun wieder auf der richtigen Route. Ab jetzt verlief die Strecke immer direkt entlang der Isar mit Unmengen an Verkehr durch Spaziergänger, Radfahrer, Skater, Jogger und vieles mehr. Kein Wunder, dass es hier Probleme mit dem Sicherheitsabstand gibt. Das ging so über gut 10 Kilometer, dann lag München-Zentrum hinter mir und es waren nur noch wenige Kilometer bis zum Ziel in Unterföhring. 

Ein Problem hatte ich noch, denn ich fuhr rechts der Isar, während rechts neben mir der Isar-Kanal verlief und wiederrum rechts neben dem Kanal liegt Unterföhring. Wie da rüber kommen? Mir war schnell klar, warum sich das Navi eigentlich geweigert hatte, meinen Plan zu akzeptieren. Denn ich musste eine extrem steile und lange Treppe hoch auf den Deich zwischen Isar und Kanal. Keine Chance für Rad und Gepäck. Also alles runter vom Rad, das Gepäck einzeln hochgetragen, dann das Rad hochgetragen. Gleiches nochmal zur Brücke über den Kanal und dann alles wieder zusammen gebaut. Bis ich endlich unten und in Unterföhring war, war ich klatsch nass geschwitzt. Dafür waren es nun nur noch 700 Meter zum Hotel. 

Normal wäre das Hotel bis auf den letzten Platz ausgebucht gewesen, denn normal wäre an diesem Wochenende die Münchner Wiesn. So jedoch war es fast leer und beim Abendessen im angeschlossenen Restaurant kam ich mir fast schon etwas einsam und verloren vor. Aber wenigstens war alles offen und das Abendessen hat sehr gut geschmeckt.

 

21.09.2020 – Unterföhring – Landshut

Die Nacht war unterbrochen durch eine kurze Schnaken-Jagd bei der ich, wider Erwarten, als Sieger hervorgegangen bin. Das Frühstück wurde diesmal als normales Buffet ausgegeben, an dem sich jeder, unter Einhaltung von Maskenpflicht und Sicherheitsabstand – versteht sich, selber bedienen konnte. Auch heute bin ich wieder gegen 09:30 Uhr los gekommen.

Die Tortur von gestern über Brücken und steile Treppen wollte ich mir ersparen und bin daher auf der normalen Straße nordwärts aus Unterföhring herausgefahren, bis ein Weg runter zum Isar-Radweg geführt hat. Ab jetzt ging es immer entlang der Isar, mal links und mal rechts. Meist schattig durch Wald und Bäume. Der Weg war die meiste Zeit des Tages geschottert, verlief durch die Isar-Auen und war recht eintönig. Abwechselung bot das Vorbeifahren am Münchner Großflughafen. Allerdings musste ich 20 Minuten warten, bis endlich ein Flieger kam – Corona lässt grüßen. 

Gegen Mittag passierte ich Freising, die älteste Stadt an der Isar. Grund genug für mich, die Route zu verlassen und der Innenstadt einen Abstecher abzustatten. Leider wird zur Zeit die komplette Innenstadt saniert und war somit eine Großbaustelle. Also habe ich nach einer Runde kehrt gemacht und bin wieder zurück auf den Isar-Radweg und weiter vorbei an Moosburg und Eching nach Landshut gefahren. Das Hotel war schnell gefunden und ich habe mein Zimmer, diesmal für zwei Nächte, bezogen, da morgen ein Ruhetag in Landshut ansteht. 

Da das Restaurant des Hotels wegen Corona geschlossen hat, bin ich in die Innenstadt gelaufen und habe, auf Empfehlung des Hoteliers, im Augustiner zu Abend gegessen. 

 

22.09.2020 – Ruhetag in Landshut

Altstadt in Landshut

Altstadt in Landshut

Wie immer an fahrfreien Tagen gibt es drei Punkte, die auf der Tagesordnung stehen: Wäsche waschen, Blog schreiben und die Stadt oder die Gegend besuchen, in der ich gerade bin. Die ersten beiden Punkte waren zum Glück schnell erledigt und so hatte ich ausgiebig Zeit, die durchaus schöne und sehenswerte Altstadt von Landshut zu durchwandern. Von meinem Hotel aus ging es zuerst über die Kleine Isar auf eine Insel und von da über die große Isar in das Stadtzentrum von Landshut. 

Oberhalb von Landshut thront die Burg Trausnitz, mit deren “Ersteigung” ich dann auch für die notwendigen Höhenmeter für heute gesorgt hatte. Ansonsten bestand der Tag aus ausruhen und in der Vorbereitung der nächsten Tage. 

Am Abend bin ich natürlich wieder Essen gegangen und bin der Nr. 1 Empfehlung des Hoteliers gefolgt. Das war leider eine große Enttäuschung. Das als exklusiver Grieche angepriesene Restaurant erwies sich als unterdurchschnittliches Restaurant mit maximal mittelprächtigen, dafür fetttriefenden Gerichten. Schwamm drüber. Bin dann wieder früh schlafen gegangen, da für den morgigen Tag sehr viel Regen angesagt war.

 

23.09.20 – Landshut – Deggendorf

Durch den Regen Richtung Deggendorf

Durch den Regen Richtung Deggendorf

Beim Aufstehen am Morgen war es noch trocken draußen, nach dem Duschen dann schon nicht mehr. Erst wollte ich den Regen etwas aussitzen, was aber eine Fehlentscheidung war. Ich bin so erst weit nach 10:00 Uhr weggefahren und hatte immerhin 86 Kilometer vor mir. Außerdem hat aussitzen nichts gebracht, denn es hat die komplette Fahrt über in einem durchgeregnet. 

Die Strecke verlief auch weiterhin durch die Isar-Auen. Vorteil bei schlechtem Wetter ist, ich habe den Weg fast ausschließlich für mich allein. Nur selten trifft man an solchen Tagen auf Leute, die ihren Hund ausführen. Noch seltener auf andere Radfahrer, die sich auch von unwirtlichem Wetter nicht abhalten lassen. 

Die Strecke war ziemlich “naturbelassen”, bestand also überwiegend aus Sand, Kies und Schotter. Bei schönem Wetter ist das eine staubige, aber i.d.R. gut zu fahrende Angelegenheit. Bei Regen aber wird es sehr anstrengend, denn dann sinkt das Rad in den nassen Sand oder Schlamm ein und sorgt so für einen sehr hohen Rollwiederstand. Die ersten 30 Kilometer waren noch dazu so holprig und in so schlechtem Zustand, dass ich dafür allein fast drei Stunden gebraucht habe. Es rächte sich also die späte Abfahrtszeit. 

Danach lief es jedoch etwas besser und ich machte wieder Zeit gut. So ging es vorbei an Dingolfing, Mamming und Landau an der Isar. Danach wurde es wieder einsam auf der Strecke – und auch wieder anstrengend. Die Strecke war wieder sehr sandig und durch den vielen Regen matschig. Das Fortkommen äußerst mühsam. Als ich endlich Plattling erreicht habe, war auch ich, im wahrsten Wortsinn, platt. Aber nun waren es nur noch gut 10 Kilometer und die Wege waren ab jetzt geteert. Gegen 16:30 Uhr bin ich im Hotel in Deggendorf angekommen. Noch in der Tiefgarage des Hotels habe ich das Rad, mein Gepäck und vor allem auch mich vom ärgsten Schmutz befreit. Am Abend bin ich in einem Restaurant auf dem großen Marktplatz von Deggendorf sehr gut Essen gewesen. Danach war ich so erschöpft, dass ich schon gegen 21:00 Uhr in meinem Zimmer eingeschlafen bin.

 

24.09.20 – Deggendorf – Regensburg

Wildgänse auf dem Weg nach Süden

Wildgänse auf dem Weg nach Süden

Für heute war nochmal trockenes und relativ warmes Wetter vorhergesagt. Ich bin aber trotzdem früher aufgestanden als sonst, da die mit gut 95 Kilometer längste Etappe bevorstand. Abgefahren bin ich gegen 08:45 Uhr. Aus Deggendorf raus war noch alles okay, dann jedoch setzte Regen ein; sch…. Wettervorhersage. Ich stellte mich schon aufs schlimmste ein, denn der Weg auf dem Donau-Deich war wieder sehr sandig. Aber zum einen hat es nur für eine Stunde geregnet und zum anderen verlief die Strecke heute doch die meiste Zeit auf geteerten Straßen. Und so kam ich doch gut voran.

Gegen Mittag war ich schon auf der Höhe Straubing, was allerdings noch nicht mal die Hälfte der heutigen Strecke bedeutete. Je weiter es ging, umso mehr merkte ich die fehlende Kondition in diesem besonderen Jahr. Aber es hilft ja nichts, in Regensburg wartete das vorgebuchte Hotel und so reihte sich Kilometer an Kilometer und jeder brachte mich meinem Ziel näher. Außerdem blieb es den Rest des Tages trocken und war zwischendurch sogar nochmal richtig sonnig und warm. Das habe ich sehr genossen, sind die weiteren Wetteraussichten der nächsten Tage doch eher schlecht bis sehr schlecht. 

Gegen 16:30 Uhr bin ich im Hotel in Regensburg mitten in der Altstadt angekommen. Am Abend konnte ich mein Abendessen im Regensburger Weissbräuhaus nochmal im Freien genießen. Mal sehen, wie es morgen läuft.

 

25.09.20 – Regensburg – Vohburg

Der Donaudurchbruch bei Kloster Weltenburg

Der Donaudurchbruch bei Kloster Weltenburg

In der Nacht hat es stark geregnet, gegen Morgen jedoch nachgelassen. Ich hatte wieder die minimale Hoffnung, dass es tagsüber doch nicht ganz so nass wird. Weg gekommen bin ich so gegen halb neun und die ersten Meter waren tatsächlich auch noch ohne Regen, aber wirklich nur die ersten Meter. Sobald ich auf dem Donauradweg war, ging es los – aber wie. Zu allem Überfluss kam der Wind heute nämlich direkt von vorne. Die Wetter-App zeigte sogar Sturmwarnung für meine Route an. Und so klatschte mir der Regen direkt ins Gesicht, während ich mich gegen den Wind stemmte.

In Kelheim wollte ich die Strecke etwas mit dem Schiff bis Kloster Weltenburg abkürzen. Zum einen würde mir das eine ordentliche Anzahl Höhenmeter einsparen und zum anderen habe ich den Donaudurchbruch noch nie vom Wasser aus gesehen, da ich beim letzten Mal auch die steile Umfahrung genommen habe. Allerdings zog sich die Strecke bis Kehlheim übel hin. Zwischendurch hatte ich sogar Sorge, die Abfahrt um 11:30 Uhr zu verpassen. 

Es hat dann aber doch gut geklappt und erst auf dem Schiff habe ich gemerkt, wie kalt es inzwischen draußen geworden war. Das Thermometer zeigt nur noch 7 – 8 Grad an. Morgen muss ich mich wohl anders anziehen. Die Fahrt auf dem Schiff durch den Donaudurchbruch war schön und hat mich wieder etwas aufgewärmt. Nach gut 45 Minuten ging es ab Kloster Weltenburg wieder mit dem Rad weiter – bei gleichbleibend starkem Regen. Kurz hinter Weltenburg ging es weg von der Donau und mehrere Kilometer bergauf. Ermüdend waren aber auch heute weniger die Anstiege, als die vielen Schotter-Sand-Passagen. 

Obwohl die heute Tour nur knapp 70 Kilometer lang war, war ich langsam ziemlich erschöpft. Aber bis zum Ziel in Vohburg war es zum Glück nicht mehr weit. 

Ziemlich durchgefroren kam ich schon kurz nach 15:00 Uhr im Hotel dort an. Nach dem Beziehen des Zimmers kam als erste Belohnung eine sehr lange, heiße und ausgiebige Dusche dran. Die zweite Belohnung folgte am Abend mit einem exzellenten Abendessen in einem durchaus lobenswerten Grill- und Steakhouse, das zum Hotel-Komplex gehört. Ob das ausreicht, die Energiespeicher wieder aufzuladen? Morgen soll das Wetter nämlich noch ätzender werden, als es heute war. Dafür muss ich nicht gegen einen Schiffsfahrplan anfahren. Und wenn ich Donauwörth erreicht habe, folgt zum Glück ein Ruhetag.

 

26.09.20 – Vohburg – Donauwörth

Kraftwerk Irsching

Kraftwerk Irsching

Um es gleich vorweg zu nehmen, heute habe ich abgekürzt. Aber der Reihe nach. Nach dem guten und opulenten Abendessen habe ich sehr gut geschlafen. Nur der Regen und der Sturm, der am Fenster gerüttelt hat, haben mich immer wieder geweckt. Morgens bin ich wieder früh aufgestanden und war mit Abstand der erste beim Frühstück. Ist ja auch nicht schwer, bei nur 5 Gästen im Hotel. Deshalb, und die Lady vom Dienst konnte es gar nicht oft genug wiederholen, gab es auch nichts warmes zum Frühstück. Sogar die Kaffeemaschine hat gestreikt und es gab nur Cappuccino. War mir aber egal, Semmeln mit Wurst, Käse und Marmelade, sowie mehrere Tassen Cappuccino reichen mir absolut aus. 

Nach dem Frühstück schnell zusammen gepackt, bezahlt und ab auf die Piste. Sobald ich aus Vohburg raus war bekam ich die volle Härte des Wetters zu spüren. Äußerst starker Gegenwind, Regen, der ungehindert voll ins Gesicht geprasselt ist, dazu wieder eine aufgeweichte Naturpiste, und das alles bei nur 6 Grad kühlen Temperaturen. Meist bin ich nur in Gang 7 oder 8 gefahren. Entsprechend langsam kam ich voran. 

Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ich doch eigentlich Urlaub habe und mich nicht mehr als nötig plagen muss. So bin ich nach 2,5 Stunden und gerade mal 20 Kilometern in Ingolstadt den Hauptbahnhof suchen gegangen und habe den nächsten Zug nach Donauwörth genommen. Und so war ich bereits kurz nach zwölf in meinem Hotel und konnte mein Zimmer auch gleich beziehen. 

Ein bisschen plagt mich schon das schlechte Gewissen, es ist das erste Mal, dass ich abgekürzt habe. Aber wenn ich den prasselnden Regen draußen am Fenster höre, scheint es doch die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Heute Abend geht’s zum hauseigenen Italiener. Morgen soll es wieder etwas trockener sein, dann werde ich zumindest einen kleinen Spaziergang durch Donauwörth machen. Die große Wäsche habe ich heute schon gemacht, der Vorteil der frühen Ankunft.

 

27.09.2020 – Ruhetag Donauwörth 

Zusammenfluss von Donau und Wörnitz

Zusammenfluss von Donau und Wörnitz

Beim hoteleigenen Italiener war gestern Abend die Hölle los. Corona-Abstand war weitgehend Fehlanzeige. Immerhin war das Essen ausgezeichnet und ich hatte einen kleinen Tisch für mich allein. Beim Frühstück heute Morgen sah es abstandsmäßig schon wieder ganz anders aus, da wurde auch auf Handdesinfektion und das Tragen von Einweghandschuhen am Buffet großen Wert gelegt.

Danach musste ich noch die Regenklamotten sauber machen – zumindest soweit es ging. Als ich dann raus bin um mir Donauwörth anzuschauen, habe ich gemerkt, dass der Sommer wohl nun endgültig vorbei ist. Regen und Sturm haben aufgehört, es schien sogar überwiegend die Sonne, aber es war empfindlich kühl geworden. Habe ich beim Spaziergang durch Landshut noch nach Möglichkeit die Schattenseite der Straßen gewählt, so war es heute genau anders herum.

Donauwörth ist am Zusammenfluss von Donau und Wörnitz richtig schön gelegen. Das Zentrum ist auch nicht allzu weitläufig, so dass die Besichtigung eher eine bequeme Angelegenheit war. Vor einem Eiskaffee konnte ich mich noch schön in die Sonne setzen und einen großen Eisbecher und einen Cappuccino genießen. Dann ging es wieder zurück ins Hotel.

Habe die Tour für morgen noch umgeplant und sie ca. 10 Kilometer länger gemacht. Werde bis nach Unterelchingen fahren und dort übernachten. Beim Abendessen heute, beim gleichen hoteleigenen Italiener, fiel extrem der Unterschied zu gestern Abend auf. Plötzlich war die Hälfte der Tische mit „darf nicht belegt werden“ gekennzeichnet. Irgendwie komisch, ist das Virus am Samstag weniger ansteckend als am Sonntag? Egal, ich freue mich auf morgen, da soll es wenigstens wieder trocken bleiben, auch wenn die warmen Temperaturen wohl vorbei sind.

Fortsetzung folgt …..


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