Also heute war ein Tag der besonderen Art. Es war schon beim Aufstehen drückend heiß und schwül. Da ich wieder 100 KM vor mir hatte und auch befürchten musste, dass nach gut drei Tagen am Stück auch der beste Ledersattel seine Spuren hinterlässt, war ich schon gegen 09:00 Uhr unterwegs. Da hatte es aber bereits knapp 30 Grad. 15 KM später endlich ein schattiges Plätzchen entlang des Radwegs – da hatte ich schon die Hälfte des mitgenommenen Wassers verbraucht. Aber egal, es lief ziemlich gut und ich kam flott voran, denn der Wind war entweder gar nicht vorhanden oder hat geschoben.
Als ich nach gut zwei Stunden mal zufällig zurückgeschaut habe, bin ich erschrocken, so schwarz war der Himmel von hinten. Nach vorne wolkenlos blauer Himmel, nach hinten tiefschwarz. Ab dem Moment hatte ich für den Rest des Tages Gewitter hinter mir, Gewitter vor mir oder auch Gewitter über mir. Als ob das nicht ausreichen würde, war heute auch noch mein Kumpel Murphy mit von der Partie. Habe ich mich untergestellt, weil die Welt drohte unterzugehen, dann blieb alles trocken und die “Gefahr” zog vorüber. Sah der Himmel eigentlich ganz OK aus und ich habe mich entschlossen, weiterzufahren, hat mich prompt eine Gewitter- und/oder Regenwolke erwischt.

Da es aber immer noch warm war, bin ich dann einfach weitergefahren, denn in den Regenklamotten wäre ich zwar von außen trocken geblieben, dafür von innen umso mehr nass geworden. Aber, bis auf das Taktieren mit dem Wetter, kam ich nach wie vor recht gut voran. Bei Ratzdorf war die Stelle erreicht, an der die Neiße in die Oder fliest. Ab jetzt kreuzt ein deutlich breiterer Fluss meinen Weg. Hier wechselte die Fahrtrichtung von nordöstlich in nordwestlich. Da der Wind inzwischen deutlich spürbar aus Westen kam, waren nun deutlich kleinere Gänge angesagt. Einige Kilometer später kam Fürstenberg, auch bekannt als Eisenhüttenstadt, in Sicht. Auf Grund der vielen wetterbedingten Zwischenstopps fehlte mir leider die Zeit, in die Stadt reinzufahren und so habe ich auch dankbar den erneuten Richtungswechsel nach nord-ost angenommen und bin mit ordentlichem Schub aus der Stadt rausgefahren.

Allerdings frischte der Wind jetzt binnen Minuten sehr heftig auf und war auch mit Sturmböen versetzt. Da vor mir, in Richtung meines Ziels Frankfurt/Oder, mal wieder eine Gewitterfront durchzog, habe ich an einer besonders hässlichen Bauruine angehalten und wollte abwarten, bis die größte Gefahr vorüber ist. Dabei wehte der Wind so stark, dass er das voll beladene und nicht gerade leichte Rad einfach umgeweht hat. Nachdem auch dieses Intermezzo vorbei war, ging es mit ordentlich Gegenwind weiter Richtung Frankfurt. In einem kleinen Örtchen Namens Aurith habe ich mich dann unbeabsichtigt als Schabe geoutet. Das Kaff besteht auf deutscher Seite eigentlich nur aus drei Häusern, davon ein Kiosk. Da meine Getränkevorräte leer waren, habe ich kurzerhand angehalten und ein Radler sauer, wenig Bier, viel Sprudel bestellt. Das war dem Herrn hinter dem Tresen in kräftigem Berliner Akzent völlig unbekannt. Als wir uns dann nach einiger Verhandlung einig waren, dass saurer Sprudel gleich Mineralwasser ist, hat er sich weggeschüttet vor Lachen. “Sieh an, ein Schwäble” war sein Kommentar. Das Radler sauer – ich bleib dabei – hat trotzdem super geschmeckt und den Rest der Flasche sauren Sprudel habe ich auch gleich mitgenommen. Es war jetzt eh nicht mehr weit und nach rund 15 KM war das Etappenziel Frankfurt an der Oder erreicht. Beim Check-in wurde ich von den beiden Damen an der Rezeption recht kritisch beäugt. Ich konnte mir zunächst keinen Reim darauf machen, denn ich hatte extra darauf geachtet, auch ordentlich angezogen dort aufzutauchen. Halt in kurzer Hose und rotem T-Shirt. Als ich 10 Minuten später unter der Dusche stand, war mir schon klar warum. Das Wasser lief erstmal schwarz in den Abfluss. So viel Dreck habe ich im Lauf des Tages aufgenommen. Egal, als ich eine Stunde später im Restaurant von den gleichen Damen bedient wurde, war von Irritation nichts mehr zu spüren. Vermutlich haben sie mich sauber und in Hemd und Jeans gar nicht wieder erkannt :-).

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Kategorien: Radreisen

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